VeDRA feierte sein 15-jähriges Bestehen im Rahmen des Filmfestes München


29. Juni 2017: Der Verband für Film- und Fernsehdramaturgie VeDRA lud anlässlich seines Jubiläums zu einem Panel ins Filmmuseum München ein. Unter der Überschrift „Dreamteam statt Development Hell – Wie werden Stoffe gut gemeinsam entwickelt“ und moderiert von der stellvertretenden VeDRA-Vorstandsvorsitzenden Kyra Scheurer tauschten sich Philipp Budweg (Produzent), Evi Goldbrunner (Regisseurin, Autorin, Dramaturgin), Stefanie Veith (Drehbuchautorin), Sebastian Stobbe (Dramaturg) und Lola Randl (Regisseurin, Drehbuchautorin) über ihre Arbeitsweisen in der Stoffentwicklung aus.

Mehr als 80 Gäste verfolgten die Diskussion, die die Wichtigkeit des Blickes „von außen“ auf den Stoff betonte. So unterschiedlich die Erfahrungen mit Partnern in der Entstehungsphase eines Drehbuchs auch waren – Einigkeit bestand darüber, dass eine gelungene Stoffentwicklung die Basis für jeden überzeugenden Film ist und dass die Beteiligung von Dramaturginnen und Dramaturgen diesen Prozess enorm befördert. Dramaturgen werden oft erst dazu geholt, „wenn’s knirscht“, wenn Fristen nahen oder die Zusammenarbeit zwischen Autor/in und Produktion oder Redaktion  zu stocken droht – mit ihrer Hilfe gelingt es auch streitenden Parteien, die Idee, den roten Faden, den Weg zum fertigen Drehbuch wiederzufinden.

Immer wieder wurde in der Diskussion die Unabhängigkeit dieser Fachberater für Stoffentwicklung erwähnt: Sie stoßen die Entwicklung neuer Ideen an, sorgen für Struktur auch in festgefahrenen Kommunikationsprozessen, sehen oft viel mehr in einer Geschichte als die Autoren selbst, achten dabei aber darauf, dass sie nicht eigene Elemente in ein Drehbuch einbringen. Besonders, wenn es darum geht, sich von liebgewordenen Szenen zu trennen, die die Geschichte nicht voranbringen, ist die sachlich fundierte Meinung des Dramaturgen für die Autoren eine Hilfe, die eigene Position zu klären. Das gilt ebenso für die Entwicklung dokumentarischer Stoffe, die zunehmend mit der Erwartung befrachtet werden, sich exakt am Treatment zu orientieren, auch wenn kein Autor wissen kann, was ihm beim Dreh begegnen wird. Die Aufgabe des Dramaturgen ist hier noch mehr, dem Autor/Regisseur zu ermöglichen, die eigene Haltung zu überprüfen und zu präzisieren. Fazit der Diskussion: Vertrauen ist wichtig, manchmal erfordert es Mut zu klaren Schnitten – und immer ist es hilfreich, mit Hilfe des Blicks von außen den eigenen Stoff aus der Distanz zu sehen.

Im Anschluss daran führte die VeDRA-Vorstandsvorsitzende Eva-Maria Fahmüller durch die Geschichte des Verbandes: Sie berichtete von der Namensgebung, bei der sich Kürzel wie VDFD, VDFF oder VFFD nicht gegen das wohlklingende VeDRA durchsetzen konnten, zeichnete nach, wie der „Wendepunkt“ sich von einem verbandsinternen Newsletter zum viel beachteten Fachmagazin für Stoffentwicklung mit drei Ausgaben pro Jahr entwickelt hat und betonte die Bedeutung von „FilmStoffEntwicklung – Tag der Dramaturgie“, der zur wichtigsten Fachtagung für Dramaturgen, Drehbuchautoren, Producer, Produzenten und Redakteure im deutschsprachigen Raum geworden ist. Was VeDRA in den fünfzehn Jahren des Bestehens erreicht hat, kann sich sehen lassen: Honorarrichtlinie, Credit-Initiative, Leitfaden für Seriendramaturg*innen, Vorschlagsrecht für den Deutschen Drehbuchpreis, verbandsinterne Fortbildungen sind nur einige der Themen, mit denen sich engagierte Mitglieder und der Vorstand befassen.

Schließlich präsentierte Fahmüller die neue Ausgabe des Dramaturgenguides 2017/2018. Das „orangene Heft“, wie es vielfach in der Branche genannt wird, enthält einen Überblick über die unterschiedlichen Berufsbilder und Tätigkeitsfelder der Fachberater für Stoffentwicklung und bietet mit der VeDRA-Honorarrichtlinie und der Checkliste für Seriendramaturgie Anhaltspunkte für die Vertragsgestaltung. Vor allem aber stellt es die mehr als 120 Verbandsmitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit ihren Profilen vor.

Auf dem anschließenden Empfang blieben Gäste, VeDRA-Mitglieder und Vorstand noch lange zusammen und stießen auf fünfzehn erfolgreiche Jahre Verbandsarbeit an.