VDD fordert Paradigmenwechsel


29. Sept.: Geschichtenerzählen statt Content-Lieferung!

Geschichtenerzählen statt Content-Lieferung! Der Verband Deutscher Drehbuchautoren fordert von ARD und ZDF einen Paradigmenwechsel in der Stoffentwicklung

Der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) fordert angesichts anstehender Vorverhandlungen mit ARD und ZDF von den öffentlich-rechtlichen Sendern einen nachhaltigen Wandel sowohl der Kultur als auch der Finanzierung der Stoffentwicklung.

Drehbuchautorinnen und –autoren sollen endlich wieder zum Motor werden für die Entwicklung neuer Programme. Dafür bedarf es deutlicher Kurskorrekturen im Zusammenspiel von Sendern und Autoren.

Der Erfolgsgarant für ein konkurrenzfähiges, wieder erkennbares fiktionales Programm sind nicht Formate und Standards, sondern gute, neue Geschichten – und gute, neue Geschichten brauchen gute Autoren und Zeit für sorgfältige Entwicklung sowie Risikobereitschaft und Vertrauen von Seiten der Sender. Stoffentwicklung statt Stoffproduktion, Geschichtenerzählen statt Content-Lieferung!

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland ist im internationalen Vergleich einer der größten Produzenten fiktionaler Programme und muss angesichts der technischen Qualität sowie Quantität und Breite seiner jährlichen Produktion keine Konkurrenz fürchten.

Trotzdem bringen neue Markteilnehmer wie netflix und amazon mit ihren hochwertigen internationalen TV-Serien ARD und ZDF in Bedrängnis. Weil sie neue Erzählformen anbieten und neue Geschichten. Und weil sie ein Manko sichtbar machen: die fiktionale Produktion in Deutschland befindet sich viel zu lange schon in einem Stadium der Saturiertheit. Auch auf hohem Niveau kann es langweilig werden.

Serienproduktionen orientieren sich zumeist am gängigen Zuschauergeschmack. Pfarrer, Ordensschwestern, Ärzte und Ermittler bevölkern die Programme, Gewalt- und Schmunzel-Krimis, Schmonzetten, Standardgeschichten in See- oder Bergkolorit bilden den Durchschnitt der Formate, Geschichtsdramen – gerne aus der Nazizeit – liefern hier und da erwartbare Relevanz.

Drehbuchautorinnen und -autoren sind die natürlichen Partner für die Entwicklung spannender und auch innovativer Filme und Serien. Aber um die vorhandenen Kreativpotenziale ausschöpfen zu können bedarf es angemessener Rahmenbedingungen. Diese beginnen beim Dialog mit den Sendern über die Programmplanung, gehen über schnelle und effektive Entwicklungszeiten von Standardprogrammen und erfordern am Ende für hochwertige, relevante Stoffe dringend eine Finanzierung der Entwicklungszeit, inklusive Recherchen und Anhebung der bestehenden Honorare sowie eine Vergütung aller übertragenen Rechte.

Der VDD fordert:

  • Klare Entwicklungskonzepte, schnellere Entscheidungen und kürzere Entscheidungswege
  • Regelmäßige Zukunftsgespräche zwischen Autoren und Programmverantwortlichen
  • Mehr Mut und Risiko insbesondere in der Serienentwicklung (Beispiel BBC)
  • Anhebung der Honorare, inkl. der seit zehn Jahren nicht erfolgten Anpassung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten
  • Einsetzen von finanziellen Mitteln zur Förderungen der Ideenentwicklungen für spezifische, neue Formate

Natürlich gibt es bei ARD und ZDF hochkarätige Filme und auch außergewöhnliche Formatansätze – aber davon gibt es viel zu wenig.

Neue Koproduktionsmodelle und der Einkauf in internationale Projekte sowie die Ausweitung der nonlinearen Programmnutzung in den Mediatheken mit Blick auf die jüngeren Binge Watcher werden es allein nicht richten können.

Neue Programmfarben, Innovationen und internationale Konkurrenzfähigkeit brauchen neue Impulse für die Stoffentwicklung.

Die vorrangige Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Sender ist dabei auch die Förderung speziell deutscher Programme, allerdings auch mit Blick auf eine internationale Verwertbarkeit. Die BBC hat es vorgemacht. Seitdem sie konsequent british talent fördert, gibt es wieder die, durch ihre außergewöhnliche Qualität erfolgreichen englischen Programme.

Der VDD steht für den Dialog mit den Sendern bereit!

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