Sagen Sie’s den Steinen. Zur Gegenwart des Werks von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub


19. September 2017: Filmretrospektive vom 15. Oktober bis 5. November 2017 in der Akademie der Künste, dem fsk Kino, der Brotfabrik und dem Zeughauskino

Seit Anfang der 1960er Jahre haben die beiden Filmemacher Danièle Huillet und Jean Marie Straub mit ihren Filmen für Furore gesorgt. Sie haben in annähernd 50 Jahren gemeinsamer Arbeit eines der einflussreichsten und zugleich kontroversesten Werke des modernen Kinos geschaffen. In dessen Eigenwilligkeit sahen einige in den 1960er Jahren den Beginn eines neuen deutschen Films, andere empörten sich über die vermeintliche Respektlosigkeit gegenüber der Tradition des Kinos.

Das Werk Huillet/Straubs umfasst mittlerweile fast 50 Filme, denen unter anderem Stoffe von Böll, Kafka, Hölderlin und Brecht zugrunde liegen. Die Filme transformieren und übersetzen nicht nur Text, auch Musik (Bach, Schönberg) und Malerei (Cézanne) sowie Wolken, Steine, Wind und Licht. Mit ihren Filmen wird das Kino zu einem Raum, in dem sich sinnlich und politisch etwas ereignet. Und der Film wird zum Mittel, die Gegenwart und die Konventionen des Kinos, seine Kommerzialisierung, grundlegend infrage zu stellen. Damit sind die Filme von Huillet/Straub hochaktuell.

Im Rahmen der Ausstellung „Sagen Sie´s den Steinen“ (14.09. bis 19.11.2017) in der Akademie der Künste zeigt die vollständige, chronologisch angeordnete Retrospektive des Werks von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub Filme, die in Berlin seit 27 Jahren nicht zu sehen waren, sowie viele, die hier noch nie gezeigt wurden. Das Programm beginnt am 15. Oktober in der Akademie der Künste am Hanseatenweg und wandert bis zum 5. November chronologisch durch die Kinos Brotfabrik (19. bis 23.10.), Zeughauskino (25.10. bis 3.11.) und fsk (4. und 5.11.).

„Nicht versöhnt zu sein ist auch eine Haltung, Filme zu machen. Eine hartnäckige Verweigerung entgegen aller Kräfte, die auf eine Homogenisierung hinwirken“, schreibt der Filmkritiker Serge Daney in den Cahiers du cinéma 1975 anlässlich des Kinostarts von Moses und Aron. Huillet/Straubs Verweigerung der Homogenisierung fordert zugleich Fülle, Sinnlichkeit und Reichhaltigkeit – eine undisziplinierte Lebendigkeit. In diesem Sinn wird Widerstand zur Lebenshaltung und Antriebskraft. Huillet/Straub haben an ihren Filmen immer mit Humor, Kreativität und Generosität gearbeitet, nicht mit störrischer Verbissenheit. Dabei ist beinahe jeder Film der beiden Filmlegenden allen Widerständen zum Trotz entstanden.

Das Filmprogramm wird ergänzt durch eine Auswahl von Filmen von Manfred Blank, Pedro Costa, Ted Fendt, Peter Nestler, Jean-Claude Rousseau, Rudolf Thome und Frans van de Staak. Diese Filme stehen für Freundschaften und ein gemeinsames Anliegen mit Huillet und Straub.

Die Retrospektive wird organisiert von Antonia Weiße und Tobias Hering in Zusammenarbeit mit BELVA Film, Zeughauskino, Kino fsk, Kino in der Brotfabrik. Die Kopien der Filme von Huillet und Straub kommen aus den Beständen der Stiftung Deutsche Kinemathek, des Arsenal – Institut für Film und Videokunst, des Zeughauskinos, des Stadtkino Verleihs Wien, des Österreichischen Filmmuseums, des Filmmuseums München und von BELVA Film. Wo immer möglich, wird auf analoge 35mm Kopien zurückgegriffen.

Weitere Informationen zur Ausstellung und die Termine der Retrospektive finden Sie unter huilletstraub-berlin.net.

Pressematerial und Fotos finden Sie im Pressebereich auf www.adk.de sowie unter rische-pr.