Sagen Sie’s den Steinen – Rencontres I und II


11. September 2017:  Zur Gegenwart des Werks von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub – Zum Veranstaltungsprogramm: Rencontres I und II

Was sich durch die Begegnung (Rencontre) mit einem Film ereignet, was er tut und wie er sich in eine Theorie und ein Handeln umsetzen lässt – diese Technik ist mit den Filmen von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub eng verbunden und stand immer auch im Widerspruch zur relativ sporadischen Sichtbarkeit dieser Filme selbst. Das Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung „Sagen Sie’s den Steinen“ möchte mit den Rencontres dazu einladen, die Besonderheit, die im Begriff der Begegnung liegt, auszuloten.

Über die Filme zu sprechen und zu streiten und mit ihnen zu reisen, war für Huillet/Straub stets wichtiger Bestandteil ihrer Praxis. Mit der internationalen Präsenz der Filme und ihrer Veröffentlichung auf digitalen Medien hat sich auch die Bezugnahme auf sie vervielfacht. Während der Rencontres-Tage zu Beginn und Ende der Ausstellung werden möglichst unterschiedliche Sprechweisen und Formen der Auseinandersetzung aufgegriffen. Mit dabei: der langjährige Kameramann Huillet/Straubs Renato Berta, der ehemalige Assistent, Schauspieler und Filmemacher Manfred Blank, der Freund und Filmemacher Peter Nestler, der jahrzehntelange kritische Wegbegleiter Peter Kammerer, der mehrmalige Regieassistent Giulio Bursi, der Kameramann der neueren Filme Jean-Marie Straubs, Christophe Clavert, sowie Theoretiker und Theoretikerinnen, Künstlerinnen und Künstler einer neuen Generation, wie Luisa Greenfield, Nida Ghouse, Louis Henderson, Oraib Toukan, Ala Younis oder das New Composers Collective, ein Spin-Off-Projekt des Elektronik-Duos Mouse on Mars.

Rencontre I
Der Luxus, den man gewinnt, wenn man nichts zu verlieren hat.
15.9. – 17.9.2017
An den drei Tagen des Rencontre I, das in enger Bezugnahme zur Ausstellung und deren Themen und Fragestellungen steht, wird ein Fächer an unterschiedlichen Zugängen zum Werk aufgemacht. Schwerpunkte werden gesetzt durch die in Italien entstandenen Filme und deren literarische Grundlagen: Elio Vittorini, Cesare Pavese und Franco Fortini, aber auch Brecht und Hölderlin. Daran anknüpfend werden Überlegungen angestellt zu den Begriffen der Arbeit und der Arbeiter sowie zur Rolle und Bedeutung der Bauern bei Huillet/Straub, auch in Bezugnahme auf Heiner Müller. In Verbindung mit dem in der Ausstellung installierten Film Kommunisten diskutieren Patrick Primavesi und Peter Kammerer die Frage nach einem (zukünftigen) Kommunismus. Weitere Fäden der Ausstellung, die an diesem Wochenende in Diskussionen und Präsentationen aufgegriffen werden: das besondere Augenmerk auf die Rolle Danièle Huillets sowie die zentrale Bedeutung von Orten, Landschaften und ihrer Geschichte in der Huillet/Straub’schen Bildpolitik. Während dieser Tage werden die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung anwesend sein und auch bei der Ausstellungs-führung, am Sonntag, 17.09. um 12 Uhr über ihre Arbeiten sprechen.

Rencontre II
Bis wir beginnen, etwas zu sehen.
10.11. und 11.11.2017
Der Titel des Rencontre II zum Abschluss der Ausstellung lehnt sich an die beiden Cézanne-Filme Cézanne im Gespräch mit Joachim Gasquet (1989) und Une visite au Louvre (2003) an und betont die Bedeutung, die Cézannes Werk und v.a. sein Verständnis des Sehens für beide Filmemacher hatte. Huillet/Straub sahen besonders in der Wiederholung und was darin passiert, immer wieder dasselbe anzusehen (wie etwa den Berg St Victoire), bis man anfängt, tatsächlich etwas zu sehen – etwas anderes als sich selbst –, eine Qualität, die sie in ihre Filme übersetzen wollten. Sehen verstanden beide in diesem Zusammenhang auch als eine Hinwendung nach Außen – eine Entäußerung.

Am 10.11. stehen mit dem Gast Peter Nestler außerdem die Filme im Mittelpunkt, die Nestler und Huillet/Straub dem jeweils anderen gewidmet haben – in einer jahrzehntelangen Freundschaft, die nicht zuletzt auf dem geteilten Respekt für den Akt des Sehens beruht. Das öffentliche Seminar mit Florian Schneider am 11.11. beschäftigt sich mit der Frage, was der von Serge Daney so genannten „Straub’schen Pädagogik“ zu Grunde liegt und welche Bedeutung diese in einem postdigitalen Zeitalter haben könnte.

So wird das Rencontre II die Fäden des bisher Gesagten und Gesehenen aufgreifen und weiterführen mit dem Ziel, nochmals etwas zu erarbeiten oder zuzuspitzen, das über die Veranstaltung hinausweisen kann, um auf verschiedene Weise in der Gegenwart anzukommen. Zum Abschluss der Recontres am 11.11. steht daher auch die Uraufführung einer musikalischen Inszenierung des Antigone-Scripts von Huillet/Straub auf dem Programm, eine Zusammenarbeit des New Composers Collective (einem Spin-Off-Projekt des Elektronik-Duos Mouse on Mars) mit Astrid Ofner (Stimme/Inszenierung).

Weitere Informationen und Termine unter: huilletstraub-berlin.net.