FilmStoffEntwicklung 2018 Ein Tag der Dramaturgie mit Beiträgen zu aktuellen Produktionen und Diskursen


27. September 2018: Der Verband für Film- und Fernsehdramaturgie e.V. (VeDRA) veranstaltet bereits zum achten Mal die Fachkonferenz ‘FilmStoffEntwicklung‘. Auf dem ‘Tag der Dramaturgie‘ diskutieren am 3. November Experten und Gäste anhand aktuellster Kino-, TV- und Webproduktionen dramaturgische Grundlagen und Trends.

(investigative) Dokumentarfilme
Anhand des investigativen Dokumentarfilms Im Schatten der Netzwelt – The Cleaners erörtern Georg Tschurtschenthaler (Producer gebrueder beetz filmproduktion) und Dramaturg Sebastian Stobbe wie eine personenzentrierte Erzählweise mit einer faktenreichen Darstellung verschmolzen werden kann und welche Auswirkungen eine Finanzierung jenseits des üblichen Förderwegs auf die Dramaturgie hat. Der Film, der fünf Content Moderatoren in den Mittelpunkt stellt, die in Manila für internationale Konzerne das Internet von unerwünschten Bildern säubern, wurde im September 2018 ausgestrahlt und wird in 30 weiteren Ländern zu sehen sein.

Das Ideal, einen Dokumentarfilm zu gestalten, der zugleich informativ, wahr, glaubwürdig, differenziert und unterhaltend ist, gilt auch für das non-fiktionale Kinder-TV. Bei Klassikern wie Löwenzahn und neuen Erfolgs-Formaten wie Schau in meine Welt, Ich bin Ich oder Hobby-Mania, steht die zentrale Aufgabe der Vermittlung von Wissen in enger Verbindung mit Spielhandlungen, die fiktionalen Dramaturgien folgen. Dramaturg Rüdiger Hillmer diskutiert u.a. mit Susanne Kaupp (ZDF) und Iris Blume (Studio.TV.Film), warum diese Formate bei ihrem Zielpublikum beständig erfolgreich sind und warum fiktionale Erzählstrategien bei Kindern besonders gut ankommen.

Was ist schon normal?
Mehr und mehr deutsche Filmemacherinnen und Filmemacher wagen sich aus narrativen Standards heraus. Losgelöst von definierbaren Genregrenzen beschreiben sie Normalitäten, die sich an den Grenzen der gesellschaftlichen Norm bewegen. Jakob Lass (Love Steaks) und Linus de Paoli (Young man with high Potential) diskutieren mit Dramaturg Marco Kreuzer, wie in der Stoffentwicklung unter der Prämisse eines flexiblen Normalitäts- und Realitätsverständnisses konzeptionelle Alternativen für Handlung, Thema, Figurengestaltung und Struktur, aber auch Erzählperspektive und Ästhetik eröffnet werden können.

Auch im Family Entertainment sind mutige Neuerungen sichtbar. Anhand der Produktionen von Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft, Vier zauberhafte Schwestern, Liliane Susewind und Jim Knopf diskutiert Script Consultant Norbert Maas mit Gerrit Hermans (Drehbuchautor), Corinna Mehner (Produzentin), Joachim Masannek (Regisseur) u.a., mit welchen konkreten erzählerischen Mitteln versucht wird, vor allem die jungen Zuschauer wirkungsvoll zu erreichen und inwiefern das Setzen auf bewährte dramaturgische Erzählweisen noch erfolgversprechend ist.

Vernetzte Welten
In unserer komplex vernetzten Welt verändert sich auch das Geschichtenerzählen. Serien wie House of Cards, Game of Thrones oder The Walking Dead entfalten ihre Wirkung durch ein kollektives, vernetztes Erzählen, in dem die Fokussierung auf einzelne Hauptperson verschwindet. In einem Vortrag von Roland Zag, in dem er zu mutigeren und innovativeren Erzählformen ermutigt, werden die Wesensmerkmale der neuen Erzählform vorgestellt.

Auch das serielle Erzählen mit seinen neuesten Entwicklungen und Fragestellungen steht auf dem ‘Tag der Dramaturgie‘ im Fokus. Die Case Study zu Wir Kinder vom Bahnhof Zoo beschäftigt sich mit den Herausforderungen und Problemstellungen der Adaptionsarbeit und beleuchtet die heutige Relevanz des Stoffes und das Werkstattgespräch zu Magda macht das schon fragtWieviel Authentizität braucht eine dramaturgisch austarierte Komik?“

It is a man’s AND a woman’s world
Die fiktionale Darstellung von Welt im Film beeinflußt das Denken und die Wahrnehmung grundlegend – auch in Bezug auf Frauen und Männer und ihre jeweilige Rolle in der Gesellschaft. In einem Gespräch wird der Frage, wie fiktionales Erzählen stärker aus weiblicher Perspektive stattfinden kann und was dieser Perspektivwechsel für die Dramaturgie bedeutet, nachgegangen. Dr. Charlotte Linke, die 2017 eine Studie zu Audiovisueller Diversität veröffentlicht hat, Dramaturgin Susanne Bieger (u.a. Mentorin des ‚Into the wild‘ Förderprogramms für Frauen), Autorin Antonia Röller (Die Prinzessin erwacht und Machtversessen, Karrieresüchtig, Einsam?) und Dramaturgin Silke Cecilia Schulz (Pro Quote Film) sprechen darüber, wie weibliches Storytelling aussehen könnte. Sie diskutieren, ob es an der Zeit für neue dramaturgische Werkzeuge ist, um weibliche Geschichten und Figuren zu entwickeln und geben einen Überblick über aktuelle Überlegungen, Trends und Initiativen.

Die Akkreditierung für FilmStoffEntwicklung 2018 ist ab sofort möglich. Bis zum 5. Oktober 2018 ist die Teilnahme zu vergünstigten Konditionen mit dem Early Bird Ticket möglich.

FilmStoffEntwicklung
Ort: Reinhardtstraßenhöfe (Regierungsviertel), Reinhardtstr. 16, 10117 Berlin
Zeit: 03.11.2018, 09:30 – 19:00 Uhr

Weiterführende Informationen:
www.filmstoffentwicklung.de – demnächst detaillierte Informationen zu Programm und Gästen
www.facebook.com/Filmstoffentwicklung – aktuelle News zur Tagung
www.dramaturgenverband.org – weitere Informationen zum Veranstalter, dem Verband für Film- und Fernsehdramaturgie (VeDRA)