filmPOLSKA 2016 – Wege und Varianten der Immigration


26. April 2016: Sonderveranstaltung „300 Meilen bis zum Himmel“ mit Diskussion

Am Finaltag der elften Ausgabe von filmPOLSKA setzt das Polnische Institut Berlin zusammen mit der European Film Academy und mit Unterstützung des Babylon noch einmal ein nachhaltiges Zeichen des kulturpolitischen Engagements zu drängenden Gesellschaftsfragen unserer Zeit.

Sonderveranstaltung „300 Meilen bis zum Himmel“ mit Diskussion

Am 27. April um 19.00 Uhr sind die Festivalbesucher zu einer Sonderveranstaltung zum Thema Flüchtende ins Festivalkino Babylon eingeladen: Zusammen mit der EFA präsentiert das Festival den Film „300 Meilen zum Himmel“ (PL, 1989) des Regisseurs Maciej Dejczer mit anschließendem prominent besetztem und moderierten Podiumsgespräch.

Der mehrfach prämierte Film erzählt die auf wahren biographischen Tatsachen basierende Geschichte einer Flucht aus dem gesellschaftspolitischen Polen der 1980er Jahre in den „goldenen Westen“. Im Anschluss an den Film erörtern in einem Podiumsgespräch Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Leila Haghighat, Programmkoordinatorin Kulturelle Bildung am Haus der Kulturen der Welt, Hannah Marquardt, Ethnologin und Leiterin des Filmworkshops „Ankommen in Deutschland“, Wael Bisher, Jugendlicher aus Syrien und Workshop-Teilnehmer, sowie Krzysztof Zieliński, auf dessen biographischen Erfahrungen der Film basiert, unter der Moderation der Kuratorin, Autorin und Filmemacherin Dorothee Wenner die Frage nach der Wirkung von Filmen mit Flüchtendenthematik sowie die aktuelle öffentliche Debatte und den politischen Diskurs zum Thema. Gemeinsam wollen die Gäste die besondere Verantwortung und den politischen Auftrag von Kunst und Kultur diskutieren sowie mit besonderem Blick auf die Filmarbeit mit Kindern und Jugendlichen über die damit verbundenen Ziele, Möglichkeiten und auch Grenzen der Kulturarbeit sprechen.

Für sein eindringliches Spielfilmerstlingswerk „300 Meilen zum Himmel“ um die Fluchterlebnisse zweier junger Polen errang Maciej Dejczer 1989 auf Anhieb den „Felix“ für den besten jungen europäischen Film, den Publikumspreis in Cannes und eine Nominierung für das beste Drehbuch. Nur 300 imaginäre Meilen von den Sorgen in ihrem polnischen Heimatstädtchen entfernt liegt für Jedrek und Grześ der vermeintliche Himmel auf Erden. Als der existenzielle Druck auf ihre Familien immer stärker wird, beschließen die beiden Brüder Kwiatkowski, die abenteuerliche Flucht nach Schweden zu wagen. Regisseur Maciej Dejczer gelingt zurückgreifend auf die wahren persönlichen Erfahrungen der beiden damals noch minderjährigen Brüder Zieliński seine meisterhaft verfilmte Version der Immigration und eine in atmosphärisch dichten, naturhaften Bildern berührende Darstellung von Hoffnungen, Erwartungen und am Ende einer abenteuerlichen Flucht mitten in Europa.

Angesichts der brandaktuellen globalen Situation von Flüchtenden nach und in Europa und den damit verbundenen Fragen an die internationale Gemeinschaft und der an sie herangetragenen Verantwortung für diese hilfesuchenden Menschen, trifft uns heute Dejczers nun zwanzig Jahre alter Film wie eine mit den Mitteln der Filmkunst an die Leinwand gebannte Prophezeiung. Mit der das Festival finalisierenden Veranstaltung betonen die Festivalorganisatoren im Zusammenhang mit den richtungsweisenden diesjährigen Programmpunkten den konsequenten Anspruch von filmPOLSKA, als publikumswirksame Veranstaltung ihrer Verantwortung als kulturpolitische Instanz in der Hauptstadt gerecht zu werden und in der gesellschaftspolitischen Diskussion konsequent Stellung zu beziehen. Bereits mit der Deutschlandpremiere des eindrucksvollen Dokumentarfilms „Karski und die Herrscher der Menschheit“ von Sławomir Grünberg als Special Screening in der Topographie des Terrors Berlin – um nur eines der Highlights aus dem engagierten Programm zu nennen – hat sich filmPOLSKA unübersehbar an die Seite der ausgeschlossenen, aber Mut zur Veränderung sozialer und humaner Missstände beweisenden Protagonisten gestellt.

Das Polnische Filmfestival in Berlin nutzt seine Potentiale nicht allein dazu, das Beste des aktuellen polnischen Filmschaffens zu präsentieren, die Namen der Filmschaffenden des Nachbarlandes zu etablieren und großes polnisches Kino als Teil der kulturellen Identität in Europa und im internationalen Zusammenhang in Erinnerung zu rufen; filmPOLSKA sieht sich immer wieder aufs Neue den großen sozialen Themen und gesellschaftlichen Problemen verpflichtet, indem es aktuelle filmkünstlerische Diskussionsbeiträge und Anregungen liefert.

„300 Meilen bis zum Himmel“ und Podiumsgespräch
in Zusammenarbeit mit der European Film Academy und mit Unterstützung des Babylon
Mittwoch, 27. April, 19.00 Uhr
Kino Babylon Berlin, Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin

Weitere Informationen unter www.filmpolska.de/filme/300-meilen-zum-himmel und www.babylonberlin.de/filmpolska.htm