ACT_Lab — eine Vision modernen Lernens – ab September täglich in Neukölln


31. August 2017: In Berlin und vielen weiteren Bundesländern Deutschlands herrscht Lehrermangel und gleichzeitig verlieren die Schulen erfahrene und engagierte Lehrkräfte. Denn immer weniger Menschen können sich für eine Laufbahn als Lehrkraft erwärmen. Auch ausgebildete Lehrer mit Leidenschaft für ihren Beruf steigen aus dem Schuldienst aus und suchen nach neuen Formen der Wissensvermittlung.

Das ACT_Lab bietet eine andere Art des Lernens. Es ist ein außerschulisches Angebot und versteht sich als Experimentierraum interaktiven Lernens, der partizipative, demokratische und künstlerische Prozesse ermöglicht.

Das ACT_Lab richtet sich an all die Jugendlichen, die in den Schulen so oft als schwierig oder auffällig bezeichnet werden. Sie lernen anhand von Angeboten, die Zugang zur Naturwissenschaft schaffen, sich mit professionellem Beziehungs- und Kommunikationstraining beschäftigen, oder mit Themen wie «Macht oder Ohnmacht» oder «Sichtbarkeit der ungeschriebenen Alltagsgeschichten in den Medien», herauszu-finden, was jeder und jede einzelne von ihnen kann und was sie brauchen, um Regie über ihr eigenes Leben zu führen.

«Hier werden Schwierigkeiten nicht ausgeblendet, sondern mit zum Inhalt gemacht. Vielleicht ist das ein Weg für Schule, wenn sie sich nicht selbst zum
Auslaufmodell machen will, sondern flexibel auf Realitäten reagieren will.»
Frau Janssen, Workshopteilnehmerin

Initiiert wird das ACT_Lab von Künstler*innen und Lehrer*innen, die aus dem Schuldienst ausgestiegen sind. Sie schaffen gemeinsam einen neuen Bildungsort, an dem die Autonomie des Einzelnen im Vordergrund steht.

Das idealistische Vorhaben steht pädagogisch und organisatorisch auf soliden Füßen. Projektträger ist ACT e.V.. Der Verein arbeitet bereits seit neun Jahren an Ber-liner Schulen und Kultureinrichtungen. Gegründet wurde er von der Schauspielerin und Theaterwissenschaftlerin Stefanie López (Geschäftsführung). Seit 2013 ist Maike Plath (Autorin, ehemalige Lehrerin und Theaterpädagogin) für die Konzeption verant-wortlich. In der langjährigen Arbeit des Vereins sind vielfältige Kontakte zu den Jugendlichen entstanden, die ihre Erfahrungen mit ACT über alle Kanäle streuen, selbst wieder teilnehmen und ihre Freunde oder Follower mitbringen.

Das 2017 in den Kinos gestartete Dokumentarische Portrait über Maike Plath «ACT! Wer bin ich?» vom Regisseur Rosa von Praunheim erzählt von den Anfängen der Arbeit von ACT und auch, was möglich wird, wenn wir uns die eigensinnigsten Schüler_innen zum Vorbild nehmen. Maike Plath greift auf ihrem Videoblog «Rede mal ordentlich Frau Plath!» aktuelle gesellschaftlich relevante Themen auf.

Finanziert wird ACT e.V. durch Fördermittel und Spenden, aber auch durch Weiter-bildungen für Lehrkräfte, die dringend nach neuen inklusiven Modellen suchen.

Die jährlichen Angebote im ACT_Lab finden täglich von 17-20 Uhr statt. Sie richten sich an Jugendliche und sind für alle Teilnehmenden kostenlos. Die Anmeldung ist möglich unter v.nagel@act-berlin.de. Mehr Informationen zu ACT und dem ACT_Lab finden Sie auf der Website.

ACT_Lab Programm

Von September 2017 bis Juli 2018, von 17-20 Uhr
ACT_Lab, Sonnenallee 124, 12045 Berlin

Montags:
«Dance & Science»
Was haben Tanz, Wissenschaft und Medizin miteinander zu tun?
Die Naturwissenschaft wird von Jugendlichen häufig als trocken und kompliziert wahrgenommen und nicht mit dem eigenen Leben in Verbindung gesetzt. Dieses Angebot wählt daher den Zugang über den Tanz und schafft so lebendige Anknüpfungspunkte. Dabei reichen die Möglichkeiten von Anatomie und Mechanik, über die Schwerpunkte „Gesundheit und Krankheit“ bis in Bereiche moderner genetischer Forschung.
Leitung: Nicole Huiskamp & Anna Maria Weber

Dienstags:
«Status-Lab»
Das ganze Leben ist Theater
In den Trainings erlernen und erproben die Teilnehmer_innen Strategien der menschlichen Kommunikation und Kooperation auf Augenhöhe als Grundvoraussetzung für das Meistern herausfordernder Situationen in schulischen, beruflichen und privaten Kontexten.
Leitung: Maike Plath

Mittwochs:
«ACT your life»
Finde raus, was du kannst und «designe» dein Leben — als Film, als YouTube Serie, als Produkt, als…?
Das Angebot ist eine Weiterentwicklung von «Designing your life», der meist besuch-te Kurs an der Stanford University. Er basiert auf der erfolgreichen Innovations-methode Design Thinking und ermöglicht die Planung von alternativen Lebensentwürfen in Abstimmung mit den eigenen Erwartungen an das Arbeits- und Privatleben.
Leitung: Nina Neef & Maike Plath

Donnerstags:
«ACTeure»
Werde Experte_in für dein Lieblingsthema und lerne deine eigenen Workshops zu leiten
Im Resonanz Lab bekommen (ehemalige) Teilnehmer_innen die Möglichkeit, selbst in die Rolle des Lehrers zu schlüpfen und zu erfahren, dass etwas in ihnen steckt, dass sie dafür sozial anerkannt werden und auch etwas bewirken können. In ihren Selbstdarstellungen drücken die Jugendlichen vielfältige Themen und Interessen aus, die Andere motivieren und eine lernfördernde Gruppendynamik erzeugen.
Leitung: Maike Plath

Freitags:
«Geschichten aus dem Mittleren Westen»
Was erfahren wir in Zeitungen und im Netz über den Zustand der Welt — und was nicht? Drehe einen Film über die Geschichten, die bisher noch nicht erzählt wurden!
Ein Filmprojekt, in dem Jugendliche aus dem Quartier gemeinsam mit Expert_innen Interviews mit Bewohner_innen aus ganz Neukölln führen, die als dokumentarischer Langfilm zusammengeschnitten werden. Das Projekt bietet die Möglichkeit, dass Menschen in Neukölln, die sich vom System abgehängt fühlen, ihre Sichtweisen und Geschichten erzählen können. Sie werden gehört. Dies erzeugt ein Gefühl von Resonanz und ein Gemeinschaftsgefühl, was die Basis von gelebter Demokratie ist.
Leitung: Stefanie López & Ruth Biene