ACT — wenn Vielfalt zum Glücksfall wird


11. Mai 2017: ACT – Aktuelle Projekte / Premiere des Dokumentarfilms von Rosa von Praunheim ‚ACT! Wer bin ich?‘

«…und draußen geht die Welt vor die Hunde», «Matrix der Demokratie» und «#sicher» heißen die aktuellen Theaterproduktionen von ACT e.V. — Titel, die Einblick geben in Themen, die die Öffentlichkeit aktuell beschäftigen. Damit gibt ACT Jugendlichen, die gemeinhin als defizitär wahrgenommen werden, eine Stimme und zeigt ihre Sicht auf die Welt. Im Juni 2017 werden diese drei Jugendtheaterproduktionen im jährlichen ACT-Theatersommer auf Berliner Bühnen zu sehen sein. Zur gleichen Zeit feiert auch Rosa von Praunheims Dokumentarfilm «ACT! Wer bin ich?» seine Kinopremiere.

ACT denkt Bildung anders und konstatiert, dass derzeit in den Schulen Ideen und Potenziale brachliegen oder gar als Störung wahrgenommen werden. ACT vermittelt eine Form von Bildung, in der die Teilnehmenden lernen, Komplexität und Vielfalt konstruktiv zu nutzen, die Perspektive zu wechseln und gleichzeitig Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Dadurch, dass ACT den Teilnehmenden eine Stimme gibt, sind sie Teil eines demokratischen Prozesses. Diese Arbeit ist damit eine Antwort auf die Fragen: Was können wir tun, damit sich nicht immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft abgehängt und ausgeschlossen fühlen? Was können wir tun, damit das Vertrauen in demokratische Grundwerte wieder steigt?

Ausgangspunkt der Arbeit ist der Ansatz von Maike Plath. Die Lehrerin, Autorin und Theaterpädagogin entwickelte während ihrer Zeit an einer Neuköllner Hauptschule das «Theatrale Mischpult», eine Form des partizipativen biographischen Theaters. Innerhalb der letzten dreizehn Jahre hat sie daraus ein komplexes Konzept entwickelt, das in sie-ben Publikationen vorliegt. 2013 gab Maike Plath ihre Verbeamtung auf und leitet seitdem mit Stefanie López und Anna Maria Weber den gemeinnützigen Verein ACT.

A nerkennung / C ommunication / T eilhabe
Das Konzept von ACT beginnt im Spiel. Ein Spiel, welches immer komplexer wird und den Jugendlichen unendlich viele Möglichkeiten bietet, immer neue, eigene Lernwege zu kombinieren. Anhand der Theaterstücke werden gemeinsame Ziele, gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen geschaffen, in der alle in ihrer Einzigartigkeit wichtig sind. Die Schüler-innen und Schüler lernen, dass es Vielfalt braucht, um gemeinsam zu agieren. Sie lernen das Andersartige, Fremde als Bereicherung zu begreifen und sich zu respektieren. Damit löst diese Form des Arbeitens eines der größten Probleme unseres derzeitigen Schulsystems: die Unfähigkeit, Vielfalt als Grundvoraussetzung und Ressource zu begreifen.

ACT! Wer bin ich? – Premiere des Dokumentarfilms von Rosa von Praunheim
2015 wurde Rosa von Praunheim auf die Arbeit von Maike Plath aufmerksam. Mit seinem Filmteam (Kamera Elfi Mikesch) hat er über viele Monate 2015/16 ihre Stückentwicklung zu «How long is Paradise?» zum Thema «Glaube» am Heimathafen Neukölln beobachtet. Mit dem Film liefert Rosa von Praunheim ein eindrückliches Portrait dieser Arbeit.
Premiere: 21. Juni, 20:30 Uhr
Ort: Heimathafen Neukölln
Karl-Marx-Str. 141, Berlin

Matrix der Demokratie
Das Vertrauen in die Grundwerte eines demokratischen Miteinanders schwindet. Die neue Weltunordnung macht uns Angst — wir fragen uns: Was kann Demokratie? Können WIR Demokratie? Wollen wir Demokratie? Warum? Warum nicht? Wie sieht die Matrix der Demokratie aus? 21 Spieler_innen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren spielen, filmen, suchen, diskutieren und probieren: Demokratie.
Premiere: 15. Juni um 19.30 Uhr (Studio)
Weitere Vorstellungen: 16., 17., 21., 22., 23., 24., 28., 29., 30. Juni jeweils 19:30 Uhr
Ort: Studiobühne Heimathafen Neukölln
Stock, Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin

…und draussen geht die Welt vor die Hunde
Wer bin ich? Wer bist du? Verstehst du mich oder kennst du mich? Wer bin ich, wenn die Welt draußen verrücktspielt? Wo ist meine Heimat? Spricht irgendjemand meine Sprache? Oder ist Verstehen nur eine Illusion? Was meinst du, wenn du Freiheit sagst? Was meinst du, wenn du Wahrheit sagst? Was bedeutet für dich verrückt und was normal? Kann ich in diesem ganzen Wahnsinn da draußen normal bleiben? 13 Spieler_innen im Alter von 13 bis 22 Jahren machen sich gemeinsam auf die Suche nach der Bedeutung hinter den Worten.
Vorstellungen: 17. und 18. Juni 2017, 19:30h
Ort: theaterforum kreuzberg
Eisenbahnstraße 21, Berlin

#sicher
Missverständnisse gibt es viele — sicher. Warum ist auf der ganzen Welt Krieg? Ich verstehe nicht, warum? Es ist Zeit für mein Glück! Die Spieler_innen im Alter zwischen 12 und 21 Jahren spielen, filmen, suchen, diskutieren und probieren: was ist sicher?
Vorstellungen: 1. und 2. Juli 2017, 19.30 Uhr
Ort: TAK – Theater im Aufbauhaus
Prinzenstrasse 85 F, Berlin

Der Verein und Maike Plath
ACT setzt auf die Säulen ‹Beziehung› und ‹Partizipation› und bringt ein neues Konzept von Bildung in Schulen und Kultureinrichtungen. Das Team von ACT umfasst 25 Künstler_ innen, Theaterpädagog_innen und ehemalige Lehrer_ innen. Sie sind speziell für den ACT-Ansatz qualifiziert. ACT e.V. ist gemeinnützig und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. ACT erhielt das Qualitätssiegel für nachhaltige Projekte und Impulse des Nachhaltigkeitsrates der Bundesregierung und ist u.a. Preisträger des Bündnisses für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt. Bundesweit bietet der Verein Weiterbildungen für Lehrkräfte und Kunstschaffende an. Mehr Informationen zum Verein finden Sie auf dessen Website und Facebookseite.

Der Verein arbeitet nach dem Konzept von Maike Plath. Maike Plath ist Autorin, Theaterpädagogin und Lehrerin. Sie veröffentlichte bereits mehrere Bücher zum Thema partizipatives Theater, schreibt regelmäßig Essays zum Thema Bildung und greift auf ihrem Videoblog «Rede mal ordentlich Frau Plath!» aktuelle gesellschaftlich relevante Themen auf. Mehr Informationen finden Sie zudem auf ihrer Website.